Stadt hinter dem Horizont

Literatur und Chemnitz

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Anne B.

Anne Bergmann wuchs südlich von Leipzig auf. Schon im Grundschulalter schrieb sie ihre erste Geschichte. Danach trat die Literatur erst einmal zurück und die Naturwissenschaft in den Vordergrund. Während ihres Physikstudiums in Chemnitz begann sie wieder zu schreiben. Bisher hat sie Erzählungen in Anthologien veröffentlicht. Im Juni 2009 erschien beim Leipziger fhl-Verlag ihr erstes Buch "Das Glück in einer Blechdose".

E-Mail:

Andernorts: http://anne.bergmann.at.tc

Beiträge von 'Anne B.'

Buchpremiere – Taxi nach Süden

von Anne B. · 17. August 2010 · Sonstiges, Veranstaltungstipp

Sich treiben lassen auf dem Weg nach Nirgendwo. Genau das wollen die kurz vorm Abitur stehende Pauline und ihr Freund Ramon tun. Deshalb “borgen” sie sich das Taxi von Ramons Onkel und fahren los – Ramons Mandoline und Paulines Ersparnisse im Gepäck. Zunächst geht’s von Festival zu Festival, dann von Nebenjob zu Nebenjob und schließlich dem Sommer hinterher Richtung Süden.
Sie genießen die Freiheit und Unbeschwertheit, den Geruch von Autoreifen auf heißem Asphalt, die Klänge und Stimmen des Blues und nicht zuletzt die Gespräche und Freundschaften, die sie auf ihrer Reise finden.

Anfang September erscheint Anne Bergmanns zweites Buch Taxi nach Süden.

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Straßen-Lese-Fest auf dem Kaßberg

von Anne B. · 27. Mai 2010 · Veranstaltungstipp

Am 4. Juni werden die Buchhandlung Lessing und Kompanie und ein Zusammenschluss hiesiger Buchfreunde nun bereits zum zweiten Mal ein Straßen-Lesefest auf dem Chemnitzer Kaßberg veranstalten. Gemeinsam mit dem fhl Verlag aus Leipzig präsentieren der Eichenspinner Verlag und der ClauS Verlag reichlich literarische Kost.

Neun Leipziger und Chemnitzer Autoren sind hautnah zu erleben, lesen aus ihren Werken und stehen in gemütlicher Atmosphäre den Lesern/Gästen/Zuhörern Rede und Antwort.

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Campus Filmnächte – Open Air | 01. bis 03. Juni

von Anne B. · 27. Mai 2010 · Veranstaltungstipp

Three days of peace and movies.

Wie jedes Jahr finden im Sommer (oder was sich dafür hält ;o) die CAMPUS-FILMNÄCHTE unter freiem Himmel statt, veranstaltet vom Filmclub mittendrin.

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Jedes Jahr aufs Neue

von Anne B. · 22. Mai 2010 · Text der Woche

Immer, wenn es in den Urlaub ging, wurden meine Eltern wieder zu Hippies. Dann behing sich meine Mutter mit Perlen, flocht sie sich ins Haar und und bestickte ihre Kleider damit … sie schmückte sich mit der selben Hingabe, wie sie im Winter den Weihnachtsbaum anputzte. Mein Vater band sich ein Tuch um den Kopf; und beide trugen sie weite, bunte Klamotten. Und es gab Marihuana.
Aber auch dann lebten sie nur die Echos ihrer Hippiezeit, denn ihre Gegenwart konnten sie nie richtig von sich streifen. Ihre Kleider bestanden aus Samt und Seide, die Perlen waren echt, und in ihren Joints steckte Gras der besten Sorte. Wenn sie zu einem Grateful-Dead-Konzert gingen, bezahlten sie, falls es sie gab, Logenplätze; und der Wein, den sie tranken, war oftmals so alt wie sie.
Aber wir kamen uns trotzdem vor wie Freaks, wie Beatniks. Neal Cassadys Geist begleitete uns in die Ferien, auch wenn wir ihn immer glatt schliffen.
Unsere Eltern dachten, wir merkten es nicht, wenn sie kifften, aber darin hatten sie sich getäuscht wie in der Annahme, wir bekämen nicht mit, wie sie Liebe machten. Wir sind schon immer gewitzt gewesen, meine Schwester und ich, neugierig. Und wir machten keinen Hehl daraus, wenn uns etwas nicht paßte, verwöhnte Gören, die wir waren.
„Müssen wir morgen unbedingt wieder zu diesem blöden Friedhof?“, jammerte ich an einem Urlaubstag, dessen Datum ich nicht mehr benennen kann.
„Dieser blöde Friedhof“ war Père Lachaise in Paris, wo sich Jim Morrisons Grab befindet, zwei Stunden Autofahrt vom Zeltplatz entfernt. Meine Eltern pilgerten jedes Jahr dorthin, um dem Meister immer wieder aufs Neue die letzte Ehre zu erweisen. Aber ich glaube, sie brauchten einfach nur einen Grund, um immer mal wieder zu Hippies zu werden. Wenn auch zu Edelhippies.
Wir saßen vorm Zelt, tranken Rotwein und Traubensaft und verabschiedeten den Tag. Niemand achtete auf mein Gejammer, nicht einmal meine Schwester, die mir eigentlich den Rücken hätte stärken sollen, aber nein, sie blickte stur in die andere Richtung. Einsam kam ich mir vor, unbeachtet, und wie bei einem Rufer in der Wüste versiegten meine Worte bald und versickerten schließlich im Sand.
Dann waren nur noch die Stimmen der Familien in den Zelten um uns herum zu vernehmen; das leise Klirren des Windspiels, das meine Mutter über dem Zelteingang aufgehängt und das mich in der Nacht zuvor am Einschlafen gehindert hatte; und Jefferson Airplane, irgendwie blechern aus den Boxen des tragbaren Kassettenrekorders, Grace Slicks Sirenengesang. Sicherlich haben auch die Grillen gezirpt, Hunde gekläfft und Vögel geschrien, aber deren Geräusche sind im Chaos meiner Erinnerungen untergegangen.
„Wo hab ich denn nur den Joi… die Zigarette hingetan“, brach mein Vater in die abendlichen Geräusche ein.
„Ich weiß nicht“, sagte meine Mutter, „hast du denn überhaupt einen – ich meine, eine – gedreht?“
„Seit wann dreht ihr Zigaretten?“, sagte ich trotzig, mehr eine Feststellung denn eine Frage.
„Die schmecken selbstgedreht einfach besser. Genau wie selbstgemachte Pizza einfach besser schmeckt.“
Ja, ja. Und Kinder wachsen wie Kohlköpfe auf dem Feld.
Meine Schwester stupste mich mit dem Finger an, sah mich verschwörerisch an und lenkte meinen Blick auf ihre geballte Faust, die sie kurz öffnete, so kurz, daß ich nur etwas Längliches weiß aufblitzen sah.
„Wo hab ich denn nur …“, murmelte mein Vater, und meine Schwester hielt sich die Hand vor den Mund, um ihr Lachen zurückzuhalten; eine Geste, die uns beiden eigen ist.
„Ich dachte wirklich …“
„Dreh einen Neuen“, sagte meine Mutter weise.
Als sich meine Schwester etwas beruhigt hatte, erhob sie sich und sagte: „Wir gehen noch ein bißchen Spazieren.“
„Aber bleibt nicht so lange.“
Wir suchten eine einsame, ruhige Stelle und setzten uns auf einen Stein. Dann begannen wir, den Joint unserer Eltern zu rauchen, den wir zuvor an der rot gleißenden untergehenden Sonne entzündet hatten.

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Anne Bergmann im Kulturgewächshaus Hölzel

von Anne B. · 15. Mai 2010 · Veranstaltungstipp

Zwischen Nutzpflanzen, Kräutern und Blumen liest  Anne Bergmann aus ihrem aktuellen Buch Das Glück in einer Blechdose.

Sie blickt durch das Fenster eines Cafes und lauscht den Geheimnissen, die zwei Escort-Girls sich zuflüstern,
schaut Nuray dabei zu, wie sie tanzt und ihren Hut aufbehält,
läuft auf der Treppe der Erinnerungen eines gealterten Groupies in die Vergangenheit,
trinkt eine Blue Marguerita und den Erinnerungscocktail eines Barkeepers, der zwar unglaubliches Glück bei Frauen hat, das ihn aber immer gleich wieder verlässt, als habe es sich in der Hausnummer geirrt,
tastet mit den Händen der blinden Sara nach einem Martiniglas und einem längst überfälligen Kuss …

für den Terminkalender:
Freitag, 28. Mai 2010
Beginn: 20:00 Uhr (Einlass: 19:00 Uhr)
im Kulturgewächshaus Hölzel, Erbschänkenstraße 24, 08371 Glauchau
Eintritt: 12,50 €

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