Heute freue ich mich über den Gastbeitrag eines Autors, der so gar nicht dem Altersgefüge auf “Stadt hinter dem Horizont” entspricht: Rudi W. Berger. Trotz seines Alters ist er bei Poetry Slams aktiv und überzeugt das Publikum. Er gewann u.a. schon in Chemnitz und Mittweida. Zuletzt trat er bei der langen Campus-Lesenacht in der Neuen Mensa in Chemnitz auf.
Obwohl er Thüringer ist, verbringt er nicht nur bei Lesungen Zeit in Sachsen: sein Roman “Spitzenrausch” spielt in Plauen.
- Frank Weißbach
Dichters Glück und Bürde
Du meidest meinen Vers?
Du magst ihn nicht, warum?
Er ist mein Gesicht
Ich hab’ ihm Sitten beigebracht,
nicht die vom Hund, der wedelt mit dem Schwanz.
Er kommt nach mir.
Er lässt sich nicht vernarren
und fürchtet keinen Tanz.
Leihe Lächeln,
schenk’ ihm Geistesblitze,
wenn er dich bittet,
seine Glut mit mir zu teilen.
Aber nein, du lächelst nicht.
Du brütest Eifersucht
und träumst mich von ihm weg,
damit ich dir die Füße wärme,
nachts, und deinen kalten Po.
Kriegst du denn nie genug
und meinst, ich sei aus Eis,
mich lockten weder Düfte noch deine Rose?
Dann frage meinen Vers,
obgleich ich weiß, er ist dir schnuppe.
Soll er denn müßig schweigen, (weiterlesen…)


